Soziale Angststörung / Sozialphobie – die Ambivalenz der Persönlichkeit

Die Angst vor der Kaffeetasse. Angst vor anderen zu essen. Angst zur Arbeit zu gehen.

Sozialphobie, Angst vor Menschen

Angst vor anderen Kaffee zu trinken © Angst-vor-Menschen.de_Analise-Benevides-on-Unsplash

Ich sehe dich nicken. Ich hab auch genickt. So ein Wahnsinn. Die Kaffeetasse, wie festgenagelt, mit Zimmerernägeln. Mit 10 Stück, à 20 cm lang. Und wenn ich die Tasse doch wegbringe, dann mit beiden Händen und starker Verkrampfung, sodass ich alles verschütte. Das gibt’s doch nicht, das gibt’s doch nicht.

Ein interessanter Bericht des Magazins Stern von 2005, über Betroffene der sozialen Angststörung und ihrem beruflichen Alltag und dem notwendigen Vermeidungsverhalten, trug diesen Titel. Mir selber ging dieser Ausdruck „ich habe Angst vor der Kaffeetasse“ schon einige Jahre vor erscheinen des Artikels durch den Kopf. Kaffee trinken war seit Mitte der 90er ohne Tavor-Tabletten in bestimmten Situationen problematisch bis unmöglich. In harten Situationen auch mit Tavor. Das letzte Mal ohne Benzos dürfte 5 – 10 Jahre her sein.

Einerseits ziehe ich mich total zurück. Andererseits ist es genau diese soziale Kontaktlosigkeit, die mich zermürbt. Und ich kannte so viele Leute als junger Erwachsener. Welch ein Widerspruch, welch ein Paradoxon.

Was hast du ? Wie heißt das ? Jetzt schau dich doch mal an, du bist doch „bumperl-gsund“, dir fehlt doch nichts.

In Wikipedia stand mal zu dem Begriff „Soziale Phobie“ wortwörtlich zu lesen, dass in Zukunft die Bezeichnung „Soziale Angststörung“ öfter benutzt werden soll, da durch diese Wortkombination „…die Problematik der Erkrankung (auch unter Ärzten) weniger bagatellisiert wird.“

Eine Bagatelle also, für diese Brutalität, auch unter Ärzten. Aber auch Soziale Angststörung klingt, ebenso wenig wie auch Soziale Phobie, nicht gerade nach Angst bis zum Anschlag, gar Angst zu sterben.

Sozialphobie, Angst vor Menschen

Was haben wir geweint, habe ich geweint, auch und vor allem im Verborgenen, wenn diese brutale Angst nicht mehr auszuhalten war und einfach nicht enden wollte. © Angst-vor-Menschen.de

Zentrale Merkmale sind ausgeprägte Ängste, in sozialen Situationen im Zentrum der Aufmerksamkeit zu stehen und sich peinlich oder beschämend zu verhalten. Ja, auch. Aber bei mir steht als erster Gedankengang dreckig, schuldig, wertlos zu sein,. Und zwar in dem Sinne und sehr stark, dass andere denken, „das Geschwätz von dem Depp interessiert doch keinen.“ Und gleichzeitig dieses beschissene Gefühl „du bist Dreck, fress Scheiße“. Hat mein Vater oft zu uns gesagt, wenn am Essen gemeckert wurde oder einfach so. Und nannte mich auch so häufig „du Stück Scheiße, du Drecksau“. Wenn er gereizt war. Und als Choleriker war er ständig und aus Nichtigkeiten gereizt. Da kommen mir fast die Tränen, während ich das schreibe. Aber nein, ich will hier nicht auf Mitleid machen. Und auch nicht abjammern, einfach nur feststellen.

Um es vorweg zu nehmen, gegen meine Soziale Angststörung gibt es kein Medikament, welches ich täglich und dauerhaft einnehmen kann. Für bestimmte Situationen oder Zeitraum kann ich folgendes nehmen:

>> Tavor / Lorazepam (Benzodiazepine)
>> Atosil (Neuroleptikum)
>> Sativex (medizinisches Cannabis)

Von all den Antidepressiva die ich probiert habe, half mir kein Einziges gegen meine Sozialphobie. Fairer Weise muß ich natürlich dazusagen, dass ich einige davon nicht lange genug einnahm, da die Nebenwirkungen in den ersten Tagen und Wochen so stark waren, dass ich abbrach (meist Bauchschmerzen, Schwindel, Benommenheit, Übelkeit).

Die einzige Soforthilfe bei Angstattacken/Panikattacken die ich kenne, ist die Flucht.

Soziale Angststörung sieht bei mir unter anderem so aus:
Ich muß mich zwingen, um einen guten Freund aus früheren Tagen zu besuchen. Seit Frühjahr 2018 gehe ich ca. alle 2 – 4 Wochen auf eine halbe bis ganze Stunde zu ihm zum Kaffeetrinken. Ist mein einziger sozialer Kontakt, ausser einkaufen und zum Arzt. Beklemmung und innere Unsicherheit sind schon beim Hinweg meine Begleiter. Und der innere Kritiker sagt mir dauernd: Was willst du da, du bist ein Depp, ein Stück Scheiße. Dein Geschwätz interessiert ihn nicht.

Sozialphobie bedeutet: totaler sozialer Rückzug

Cirka 1 Jahr nach meinem ersten Klinikaufenthalt konnte ich nicht mehr zu meiner vormaligen, ambulanten Therapeutin. War nur einmal da und habe nur geweint vor lauter Angst. Zu meinem Hausarzt und Facharzt konnte ich jedoch zu dieser Zeit noch ohne Tavor.

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